Die Rebel Tour geht weiter: Von der Steiermark nach Kärnten

von Aug 22, 2020Rebel Tour 2020

13.8 Hohentauern – Friesach

Den nächsten Tag werde ich auch noch von Thomas begleitet, und nachdem wir eine kurze Wanderung noch im Trockenen zu einem kleinen wunderschönen Bergsee unternommen haben, geht es mit dem Rad durch strömenden Regen weiter. Aber es fühlt sich gut an mit ihm zusammen zu fahren und mit dem Gedanken an Klagenfurt, wo ein paar Aktive vor Ort sich wirklich ins Zeug legen für den Rebel Ride und mir immer wieder Zwischeninfos schicken.

Während der Rebel Tour, 13.8.

In einem kleinen Gasthof machen wir Halt und nachdem wir beide viel zu organisieren haben passt das perfekt. Die Bedienung schaut uns im ersten Moment etwas komisch an – nicht wirklich verwunderlich, wir standen vor der Tür wie zwei tropfende Hunde – gibt es ein köstliches Abendessen. Das Ganze essen wir, während er in einem Call ist und ich Flyer entwerfe und Nachrichten schreibe. Die Überwindung wieder aufzubrechen ist riesig… nasse Kompressionsstrümpfe, quatschende Schuhe und eine vollkommen durchweichte Regenjacke reizen vorerst weniger. Aber wie so häufig im Leben ist das Aufraffen der größte Schritt.

Kaum sind wir 10 Minuten gefahren wird es warm und die Stimmung ist unglaublich. Die schwarzen Berge zeichnen sich scharf vor dem dunkler werdenden Himmel ab. Weiße Wolkenschwaben ziehen an manchen Berghängen empor. Die Bewegung in der Kühle ist angenehm und ich fühle wie mein Körper von Energie durchströmt wird. Wildheit – die Landschaft zieht vorüber, während ab und zu in weiter Ferne Lichtblitze den Himmel erhellen. Manche fühlen sich vielleicht mit einem Auto unabhängig, ich fühle das mit meinem Rad, das alles was ich zum Leben brauche, auf dem Gepäckträger geschnallt hat. Wildheit, Unabhängigkeit und Unbändigbarkeit. Aktivismus kostet immer wieder Kraft, neuen Mut und Entschlossenheit. All das kann ich in diesen Momenten sammeln.

14.8 Friesach – Klagenfurt

Eine kurze Strecke fahre ich mal wieder alleine, dann werde ich in St. Veit bereits von den ersten sehr lieben Kärnter XR Menschen empfangen. Jürgen und Sarah haben flyernd auf mich am Markplatz gewartet und ihr herzlicher und offener Empfang ist einfach schön. Weil ich aber auch noch einen Termin auf einem Hof habe geht es direkt weiter mit dem Rad Richtung Tultschnig. Auf dem Weg stößt ein weiterer lieber und fürsorglicher Begleiter, Konrad, dazu. Auf dem Hof angekommen spreche ich für meinen Podcast mit Johannes Wedenig über Permakultur und was für eine Philosophie sich hinter diesem Konzept verbirgt. Leider viel zu früh muss ich von dem kleinen idyllischen Fleck, der mitten im Wald auftaucht wieder los, denn der Vortrag steht auch noch an.

Am 14.8. in St. Veit mit Sarah und Jürgen

15.8 Klagenfurt

Mittags stehe ich mit Jürgen in der Fußgängerzone und quatsche Leute an – schon wieder, ja. Aber diesmal fällt es mir leichter und ich komme mit so vielen netten Menschen ins Gespräch, dass es fast schon Spaß macht. Außerdem kann ich viel von Jürgen lernen, wie positiv und herzlich er auf die Leute zugeht! Ich stehe oft da und bin zu schüchtern jemanden anzusprechen. Als wir uns dann mein Rad anschauen und klar wird, dass mit meinem Radlager etwas nicht stimmt, wird es stressig.

Um 17 Uhr ist Rebel Ride. ich sollte eigentlich noch ein paar Dinge organisieren, bin eigentlich total fertig und habe schon wieder keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Aber Konrad fängt an sich um mein Rad zu kümmern und organisiert jemanden, der ihm hilft, und ich kann meine Sachen machen. An dieser Stelle möchte ich mich einfach mal bei all den Menschen bedanken, die mir auf diesem Weg so unglaublich helfen. Ich habe das Gefühl, so richtig zum Fallen bringen kann mich fast nichts mehr, weil ich einfach so unglaublich viele Stützen habe, und wenn ein Pfosten umfällt, weil etwas nicht klappt, kommt irgendjemand, der eine neue Stütze an die Stelle setzt oder mir beim Aufstellen hilft 😉

Der Rebel Ride wird der Hammer. Es gibt eine Kundgebung bei der Jürgen eine ganz fantastische Ansprache hält und auch ich bin dann relativ entspannt als ich das Mikrofon in die Hand nehme – eigentlich unglaublich, was ich alles an Hürden überwunden habe in diesem einen Jahr des aktiv Seins bei XR. Die Fahrt durch die Stadt macht Spaß und wir sind zwischenzeitlich mit an die 40 Teilnehmenden wirklich gut sichtbar. Klingelnd geht es so durch die Stadt und mit den winkenden Leuten am Straßenrand fühlt man sich ganz beflügelt auf dem Rad. Die Polizei hat gefühlt die halbe Stadt für uns abgesperrt, und so geht es dem Auto hinterher über rote Ampeln und blockierte Kreuzungen. Die Veranstaltungen sind angemeldet, weil die Sicherheit von Leuten, die teilnehmen wollen, gewährleistet werden soll. Genauso wie durch das Radfahren der Sicherheitsabstand gut eingehalten wird. Ich denke, diese vielfältige Protestauslebung von zivilem Ungehorsam bis zu angemeldeten Die-Ins oder eben Fahrraddemos wird allzu häufig vergessen, wenn man über XR spricht. Ziviler Ungehorsam ist bei den Missständen, die aktuell existieren und die fatale Zukunftsentwicklungen nach sich ziehen, eine für mich angebrachte Form des Widerstands – aber das heißt nicht, dass dieser in jeder Aktion ausgeübt werden muss. Dennoch sind disruptive Aktionen wichtig, um an diesem eingefahrenen System wirklich etwas zu ändern.

16.8. Etappe Klagenfurt – Villach

Gemeinsam mit meinem Bruder und Ole, die mich auf den nächsten Etappen begleiten werden, habe ich noch eine Nacht bei Konrad verbracht. Am morgen geht es dann neben zarten Seerosen auf eine kurze Baderunde in den herrlich türkisen Wörthersee. Im Anschluss findet das XR Picknick statt, zu dem immer mehr Menschen eintrudeln.

Es geht um verschiedenste Dinge, wie warum manche Menschen Bedenken haben aktiv zu werden, warum es bei XR Prinzipien gibt wie das, das keine Schuldzuweisungen an einzelne Personen gemacht werden sollten, worum es bei zivilen Ungehorsam überhaupt geht, was die Gefahren sind, wenn eine Protestbewegung nicht in sich selbst nachhaltig ist (Regenerative Kultur!), und vieles mehr. Für mich war es sehr rührend wie viele Menschen sich bei mir beim Check-Out (=Abschlussrunde: wie es einem jetzt geht, und wie man die Veranstaltung/Aktion/Call fand) bedankt haben. Viele haben gemeint, ich hätte bei ihnen wirklich etwas bewegt, und es war eine richtig schöne positive Dynamik.

Gleich sieben Leute begleiteten mich dann auch von dem Picknick mit zum Protestbildstopp in Reifnitz beim GTI Stein. Der Satz, den ich selbst in Berlin gehört habe, war für diesen bewegenden Vormittag so treffend: Man sollte nie unterschätzen wie viel eine kleine Gruppe an Menschen bewirken kann, die Haltung zeigen. Liebe Kärnter, ich hoffe ihr könnt in Zukunft öfter in einem solch gemütlichen Rahmen nicht nur Gedanken, sondern auch Ideen für künftige Aktionen austauschen. Ich wünsche euch alles, alles Gute!

In Villach hatten wir dann die Möglichkeiten bei ganz lieben Leuten der „Verantwortung Erde“ unterzukommen. Mit Gernot habe ich ebenfalls eine Aufnahme für meinen Podcast auf Tour im Gespräch gemacht. Hinterher gingen die spannenden Diskussionen aber noch lange bei einer ganz fantastischen Gemüsesuppe weiter!

An diesem Abend denke ich kurz daran zurück, dass ich im Burgenland noch 95% der Zeit alleine unterwegs war und wie schön es nun war von solch lieben Menschen umgeben zu sein. Ich bin froh hier zu sein und dass ich eine harte Phase schon überstanden habe. Weil dass, was wir tun ist wichtig. Und es ist unglaublich, was wir bewirkten können, wenn wir wirklich wollen.

Love & Rage
Aliena

Science News: Jänner und Februar 2022

Science News: Jänner und Februar 2022

Neue umfassende Studie zur globalen CO2-Ungerechtigkeit Die Beseitigung der extremen Armut auf der Erde würde die globalen Emissionen nur um etwa ein Prozent steigern (als extrem arm werden Menschen bezeichnet, die weniger als 1,9 Dollar am Tag zur Verfügung haben)....

Weitere Artikel

Pressekonferenz zum Thema: Verbindlicher Bürger*innenrat “Österreichs Weg zu Netto-Null Treibhausgasemissionen“ am 23.09.2020 in Wien

Der jahrzehntelange Stillstand beim umfassenden Ausstieg aus fossiler Energie und die zunehmende Dringlichkeit der Lage zeigen, dass wir eine andere Strategie brauchen, um die notwendigen Schritte zur Klimaneutralität zu gehen. Die entschiedenen Schritte des “Convention Citoyenne pour le Climat” in Frankreich und deren umgehende Umsetzung hingegen zeigen den Weg: Verbindliche Bürger*innenräte. In einem österreichischen Klima-Bürger*innenrat werden die gelosten Bürger*innen umfassend ausreichend informiert, entscheiden sich dann für ein Klimaziel und erarbeiten klare Massnahmen, wie dieses Ziel umgesetzt werden kann. Mit einer klar definierten Verbindlichkeit kommen die Maßnahmen umgehend in die Umsetzung.

„Humanity will not be saved by promises“–XR Newsroom 4 zur COP26 am 12.11.2021

Der 12. November hätte der Schlusstag der COP26 werden sollen. Wie bei früheren COPs dauerten die Verhandlungen aber länger. Zum Gesamtergebnis wird es deshalb hier noch ein eigenes Blogpost geben, in das auch das Video zum 5. COP-Newsroom mit Renate Christ eingebunden ist. Am 12. November haben wir zwar schon mit Benedikt Narodoslawsky auf die...

Wir haben den Entwurf des IPCC-Berichts geleakt! (Übersetzung des Posts von Scientist Rebellion)

Scientist Rebellion, ein Teil von Extinction Rebellion, hat im August einen Teil des Entwurfs von Teil 3 des Sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats geleakt. Das Blogpost zu diesem Leak enthält wichtige Folgerungen aus diesem Bericht. Wir veröffentlichen hier eine Übersetzung, die auch das Link zu den IPCC-Dokumenten enthält. Wir haben Teil...

Unterwegs zur Hothouse Earth: Mit den Gletschern zerstören wir unsere Lebensgrundlagen

Für das Leben auf der Erde spielen die Gletscher eine entscheidende Rolle: Sie regulieren den Meeresspiegel.Sie sind ein Zwischenspeicher für Niederschläge und sorgen dafür, dass große Gebiete kontinuierlich bewässert werden. Durch die Erwärmung der Erde schmelzen die Gletscher. Der Meeresspiegel steigt. Küstennahe Gebiete werden überflutet....

„Kurs auf eine katastrophale Erwärmung von mehr als 2,4°C“–XR-Newsroom 3 zur COP26 am 9.11.2021

Headerbild: Der Minister für Justiz, Kommunikation und auswärtige Angelegenheiten von Tuvalu, Simon Kofe, gibt eine Erklärung zur COP26 ab, während er in Funafuti, Tuvalu, am 5. November 2021 im Meer steht. In den ersten Tagen der zweiten Woche der COP26 wurde noch deutlicher, welche Interessen und Konflikte die verschiedenen Akteure der...

Alle Infos zur Rebellion der Tropfen – Start 17.05.2021

Anstelle von wenigen konzentrierten Massenaktionen in Wien wollen wir viele dezentrale Aktionen in kleinen Gruppen machen. Wir nennen die neue Strategie „Rebellion der Tropfen“ und sehen sie als Vorbereitung der nächsten Rebellion im Herbst, wo die vielen Tropfen zu einer großen Welle werden. Die Planungsteams für diese Welle arbeiten weiter und suchen weiter nach tatkräftiger Unterstützung.

Der Bericht des Klimarats der Bürgerinnen und Bürger aus der Sicht von XR Austria

Gestern hat der Klimarat der Bürgerinnen und Bürger der Bundesregierung seine Empfehlungen übergeben. Sie wurden in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Empfehlungen sind in einem Bericht (PDF) enthalten, der auch ausführlich über die Arbeit des Klimarats informiert. Wir haben bei Extinction Rebellion Österreich in der Gruppe...

Wir müssen sofort handeln! – Teil 2 des 6. Berichts des Weltklimarats

"Die kumulierten wissenschaftlichen Beweise sind eindeutig: Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das menschliche Wohlbefinden und die Gesundheit des Planeten. Jede weitere Verzögerung bei konzertierten, vorausschauenden globalen Maßnahmen zur Anpassung und Abschwächung wird ein kurzes und sich schnell schließendes Zeitfenster verpassen, um eine...

Hungerstreik am Heldenplatz: Unterstützt Martha und Howey Ou!

In Lausanne haben Howey Ou und weitere AktivistInnen am 21.5. einen internationalen. Hungerstreik gegen Ökozide begonnen. Unsere Aktivistin Martha hat sich diesem Streik am 31.5. angeschlossen. Auch hier geht die Naturzerstörung ungebremst weiter. Die Stadt Wien will mit dem Lobau-Tunnel den Ausbau des fossilen Verkehrs weiter vorantreiben und...

Science News: Jänner und Februar 2022

Neue umfassende Studie zur globalen CO2-Ungerechtigkeit Die Beseitigung der extremen Armut auf der Erde würde die globalen Emissionen nur um etwa ein Prozent steigern (als extrem arm werden Menschen bezeichnet, die weniger als 1,9 Dollar am Tag zur Verfügung haben). Eine neue detaillierte Studie ergibt, dass die Angehörigen des Prozents der...