Brennpunkt der Realitätsverweigerung in der Klimapolitik – XR-Newsroom zur COP 26 am 6.11.2021

von Nov 6, 2021News & Info

Am 6.11. fand der erste XR Newsroom zur COP26 in Glasgow statt. In der Ankündigung des Events haben wir geschrieben, dass die Konferenz wahrscheinlich als Fiasko enden wird. Der bisherige Verlauf bestätigt diese Befürchtung. Die Mächtigen der Welt verspielen eine der letzten Chancen, eine planetare Katastrophe zu verbinden.

Wir dokumentieren hier den ersten Newsroom mit einer Video-Aufzeichnung, einer Kurzfassung der Einleitung zum Hintergrund des Events und einer schriftlichen Version des Statements unseres Gastes Reinhard Steurer. (Achtung: Work in Progress. Texte noch nicht vollständig redigiert, Angaben noch nicht vollständig überprüft!)

Aufzeichnung des NewsRoom

Recording XR-Newsroom: COP26 in Glasgow (03.11.2021)

Material: Hintergrund und Beginn der COP

COP heißt einfach Conference of the Parties. Parties, also Beteiligte sind die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). Diese Konferenzen finden jährlich statt. Im letzten Jahr ist die Konferenz wegen Corona ausgefallen. Auf der COP 26 findet also das statt, was eigentlich auf der COP 25 hätte stattfinden sollen. Sie hat eine besondere Bedeutung: Das Pariser Abkommen legt fest, dass die beteiligten Staaten alle fünf Jahre ihre eigenen Emissionsziele angeben sollen. Sie sollen sie dabei jeweils an das anpassen, was man über die Entwicklung der globalen Erhitzung weiß, und auch an das, was die anderen Parteien machen. Es handelt sich um einen Abstimmungsprozess – positiv formuliert um einen Wettlauf darum, wer es am besten macht, negativ formuliert darum, dass die Hauptverschmutzer alle aufeinander warten und sich auch gegenseitig blockieren. So oder so handelt es sich um ein entscheidendes Datum, um zu erkennen, was vermutlich gemacht wird oder wenigstens gemacht werden könnte, weil sich die Parteien alle fünf Jahre wenigstens committen müssen – auch wenn diese Commitments nicht bindend sind.

Version der Warming Stripes mit verschiedenen möglichen Pfaden. Design: Alexander Radtke (https://twitter.com/alxrdk/status/1455946716872679430)
Version der Warming Stripes mit verschiedenen möglichen Emissions-Pfaden zum Zeitpunkt der COP 26. Design: Alexander Radtke. Oben sieht man, zu welcher Gesamtmenge an CO2 und zu welcher Erhitzung es gekommen wäre, wenn Paris überhaupt stattgefunden hätte. Darunter sehen wir, wohin wir uns jetzt gerade bewegen, also in Richtung auf 2,7 bis 3°. Wiederum darunter die Ergebnisse der verschiedenen aktuellen Willenserklärungen (Pledges ) der Nationalstaaten, wobei das Ergebnis in anderen Quellen pessimistischer eingeschätzt wird. Ganz unten: Was müsste passieren, damit die Erhitzung bei 1,5° stoppt? In dieser Darstellung wird davon ausgegangen, dass dafür nur noch weniger als 700 Gigatonnen CO2 ausgestoßen werden dürften. Um das 1,5°-Ziel mit 66% Wahrscheinlichkeit zu erreichen, müsste eine Obergrenze von 400 Gigatonnen eingehalten werden. Das Auslösen von Kipp-Elementen ist in dieser Grafik nicht berücksichtigt.

Production Gap Report

Production Gap Report, Figure ES.1
Abb. 2.1. aus dem Productions Gap Report 2021. Die Produktionslücke bei den fossilen Brennstoffen – die Differenz zwischen der globalen Produktion fossiler Brennstoffe, die in den Plänen der Regierungen projiziert wird (rote Linie), und derjenigen, die mit einem Erwärmungspfad von 1,5°C und 2°C vereinbar ist (blaue und grüne Linien), ausgedrückt in Kohlendioxidemissionen (CO2), die bei der Verbrennung der geförderten Brennstoffe freigesetzt werden – ist nach wie vor groß. Oben wird dargestellt, was jetzt im Moment passiert. Hier sieht man, dass geplant ist, noch mehr Öl, Gas und Kohle zu fördern als im Augenblick und sie natürlich auch zu verbrennen. Das, wozu sich die Staaten bereits verpflichtet haben, sieht man auf der zweiten Linie, die etwas tiefer liegt. Auch diese Linie geht nicht nach unten. Was notwendig wäre, um die 2° zu erreichen, zeigt die dritte Linie von oben, und das, was für das 1,5° Grad Ziel nötig wäre, die unterste Linie. Das heißt konkret übersetzt z.B.: Es darf überhaupt keine Kohle aus neuen Abbaustätten mehr gefördert werden, und es dürfen keine weiteren Ölfelder erschlossen werden. Das Gegenteil ist der Fall.

WMO-Bulletin 17

Abb. 6 aus dem WMO-Bulletin 17
Abb. 6 aus dem WMO-Bulletin 17. In diesem Bericht geht es um die Entwicklung der Treibhausgase in der Atmosphäre 2021. Hier herausgegriffen ist die CO2 Entwicklung. Viele kennen wahrscheinlich die obere Kurve, die fast ident mit der sogenannten Keeling-Kurve ist. Noch bedrückender als das Ansteigen dieser Kurve ist die Wachstumsrate des CO2 (unterer Teil der Abbildung). Nicht nur wird jedes Jahr noch zusätzliches CO2 in die Atmosphäre gepumpt, sondern der Prozess beschleunigt sich auch noch. Von einem part per million vor 25 Jahren, ist man inzwischen bei deutlich über 2 parts per million angekommen. Bei Methan, das nicht so lange in der Atmosphäre bleibt, aber noch viel aggressiver ist, geht die Kurve noch steiler nach oben. Die Steigerung des Methan-Gehalts der Atmosphäre war noch nie in der Geschichte so hoch wie im vergangenen Jahr.

Emissions Gap Report 2021

Kurz vor der Konferenz am 26 Oktober erschien der Emissions Gap Report 2021 des UN Environment Programme mit dem bezeichnenden Titel The heat is On. Die Herausgeber, also die Vereinten Nationen stellen eindeutig fest: Die Welt ist auf dem Weg zum 2,7 Grad gegen Ende des Jahrhunderts also weit jenseits des Pariser Abkommens.

Der Emissions gap report 2021 zeigt, dass die neuen nationalen Klimazusagen in Verbindung mit anderen Minderungsmassnahmen die Welt auf den Weg zu einem globalen Temperaturanstieg von 2,7 °C bis zum Ende des Jahrhunderts bringen.

Emissions Gap Report 2021 Der Vereinten Nationen

Diesel 2,7 Grad sind der Durchschnitt eines breiten Kanals. Sie können bedeuten, dass es durchaus heißer als 3 Grad wird. Wie erwähnt sind solche Dinge wie Tipping Points überhaupt nicht erwähnt, es handelt sich also um eine sehr vorsichtige konservative Prognose. Und hier finden sich jetzt genau dieselben Kurven wieder, die wir eben schon gesehen haben. Hier geht es nicht um die Produktion der fossil fuels sondern um die Menge der CO2 äquivalente, also aller Treibhausgase zusammen, die in die Atmosphäre gepumpt werden.

Emissions Gap Report 2021: The Heat Is On Figure 4.2. Global greenhouse gas emissions under different scenarios and the emissions gap in 2030 (median estimate and tenth to ninetieth percentile range)
Emissions Gap Report 2021: The Heat Is On, Abbildung 4.2. Hier sieht man was notwendig wäre, um auf 2 Grad zu kommen, und zwar von 2020 also vom letzten Jahr an gerechnet. Im Moment läuft die Politik der Verursacherstaaten auf die oberste Linie in aus, und mit den Pledges auf deren Gültigkeit man sich – als Absichtserklärungen – verlassen kann, ergäbe sich die zweite Linie. Bei den conditional pledges, also bedingten Absichtserklärungen, geht es um Politikziele, die beschlossen werden, wenn andere Staaten bestimmte Maßnahmen, zB finanzielle Unterstützung, umsetzen. Mit diesem Pledges ließe sich die Erhitzung etwas stärker begrenzen. Wenn man alle Good-Will-Erklärungen einrechnet und davon ausgeht, dass auch alles gemacht wird, was angekündigt wird – was nie auch nur ansatzweise der Fall war, käme man auf einen Pfad zu 2,2° Erhitzung 2100. Das ist eine absolut optimistische Einschätzung. Alle Beteiligten wissen seit dem Sonderbericht des IPCC zum 1,5°-Ziel, dass auch 2,2 Grad eine katastrophale Entwicklung bedeuten.

Schlusserklärung der G20

Dann kam noch einmal kurz vor der Konferenz die Schlusserklärung der G20, die enttäuschend war, vorher gab es im Vorfeld der Konferenz und angesichts der vielen Unglücke in diesem Jahr und es letzten IP zZ Berichts die Hoffnung, dass doch ein gewisses Maß an Einsicht Herschel, und und nach Corona die Mittel gezielter für die Bekämpfung der globalen Erhitzung eingesetzt werden. In dieser Erklärung wird ganz vorsichtig gesagt, dass die G20 Nationen anerkennen, dass 1,5 Grad besser als 2 Grad wären. Es gibt auch schon noch ein commitment auf die Pariser Ziele, aber die Verpflichtung ist so, dass ich daraus überhaupt keine Verpflichtung der Rente ergibt. Hier muss man hier muss man sagen, dass China Russland und Saudi-Arabien, also Länder, deren Staatschef persönlich zum Teil gar nicht anwesend waren, die Haupt blockiere. Wobei die Politik der USA, wenn man sie im Ergebnis sieht, ebenfalls extrem problematisch ist.

Climate Transparency Report 2021, Abb.1
Climate Transparency Report 2021, Abb.1. Die Grafik zeigt für die G20 Länder, die insgesamt ca. 80 % der Treibhausgasemissionen verursachen, grün, welche Reduktion das Pariser Abkommen zur Einhaltung des 1,5 Grad Ziel erfordert. Gelb ist eingetragen, was die Länder gegenwärtig tun, und leicht rot sind die Ziele der aktuellen NDCs eingetragen. Einige Länder sind zwar weit entfernt, von dem was sie tun müssten, bleiben aber doch noch unter ihrem commitments. Die europäischen Länder, die man rechts sieht, emittieren dagege viel mehr, als es ihren Commitments entspricht, und liegen auch mit ihren Commitments deutlich oberhalb des 1,5°-Pfads.

Das einzige Land, das im Climate Transparency Report als halbwegs ausreichend beurteilt wird, ist ironischerweise das konservativ regierte Großbritannien. Das passt vielleicht zu der These von Reinhard Steurer, dass der Diskurs zur Klimapolitik und die Aktionen von Klimabewegungen für die Politik eine größere Rolle spielen, als welche Partei gerade an der Regierung ist.

Es gibt eine ganze Reihe von Beurteilungen dieser Erklärung. Ein Experte, der sich wissenschaftlich mit der G20 beschäftigt, sagt, dass ich aus diesem verpflichtungen überhaupt nichts entnehmen lässt, außer aus einer, bei der es um Kohle geht,. Selbst das Statement, armen Nationen jeweils 100 Milliarden im Jahr zur Verfügung zu stellen, was vom Pariser Abkommen gefordert wird, ist so windelweich, dass man verzweifeln muss, vor allem angesichts dessen, was für andere Dinge ausgegeben wird insbesondere zur Förderung von fossilen Brennstoffen.

State Of Climate 2021

Am 31.10 erschien unmittelbar vor der Konferenz der Bericht State of Climate in 2021: Extreme Events and Major Impacts. Darin stellt die UNFCC dar, wie sich das Klima bis zu diesem Jahr insgesamt entwickelt hat. Es wird unter anderem auf die Rekordtemperaturen vieler Jahre seit 2000 und auf den immer dramatischer werdenden Anstieg des Meeresspiegels verwiesen.

State of Climate 2021: Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur 1850-2021
State of Climate 2021: Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur 1850-2021

Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) haben die Rekordkonzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre und die damit verbundene akkumulierte Wärme den Planeten in ein unbekanntes Terrain katapultiert, mit weitreichenden Folgen für heutige und zukünftige Generationen.

Die letzten sieben Jahre sind auf dem Weg, die sieben wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen zu werden, so der vorläufige WMO-Bericht zum Zustand des Weltklimas 2021, der auf den Daten der ersten neun Monate des Jahres 2021 beruht.

Der globale Meeresspiegelanstieg hat sich seit 2013 beschleunigt und erreicht 2021 einen neuen Höchststand, Während sich die Erwärmung der Ozeane und die Versauerung der Meere fortsetzen.

State of Climate in 2021: Extreme Events and Major Impacts | UNFCCC

Pledge To End Deforestation

Over 100 leaders make landmark pledge to end deforestation at COP26 – GOV.UK

COP 26: Deforestation Pledge. Screenshot von Klimadashboard.at
COP 26: Deforestation Pledge. Screenshot von Klimadashboard.at

Methane Reduction Pledge

Homepage | Global Methane Pledge

COP 26: Methane Reduction Pledge. Screenshot von Klimadashboard.at
COP 26: Methane Reduction Pledge. Screenshot von Klimadashboard.at

Statements von XR UK

https://extinctionrebellion.uk/2021/09/27/extinction-rebellion-uk-position-on-cop26/

Artikel zum Start der COP

Cop26 has to be about keeping fossil fuels in the ground. All else is distraction | George Monbiot | The Guardian

Leaders confess climate sins at COP26 – POLITICO

Klimakonferenz COP 26: Übertünchen statt handeln – Nora Laufer – derStandard.at › Diskurs

Statement Reinhard Steurer zum Start der COP 26

Nichts hat mich bisher überrascht, weil meine Erwartungen voll erfüllt worden sind. Zynischerweise muss ich das so formulieren. Ich habe mir nicht viel erwartet von dieser COP, nur das eine, dass sie einmal mehr der Brennpunkt der Realitätsverweigerung in der Klimapolitik sein wird. Und genau das sehen wir seit ein paar Tagen.

Wie sieht diese Realitätsverweigerung aus? Ich umschreibe das so, dass die politische Realität so weit entfernt ist von der physischen oder klimawissenschaftlichen Realität, dass da wirklich zwei Welten existieren, die nicht mehr viel miteinander kommunizieren. Und Optimismus oder irgendein Fortschrittsjubel sind da wirklich nicht mehr angebracht. Im Gegenteil: Die COPs demonstrieren vielmehr, wie weit entkoppelt das politische Geschehen von dem ist, was klimatisch tatsächlich passiert.

Realitätsverweigerung 1: Illusionen über die 1,5°

Am deutlichsten wird diese Realitätsverweigerung an ein paar Brennpunkten, oder Schlüsselentscheidungen, wie z.B. vor ein paar Jahren, als das IPCC aufgefordert worden ist, einen Bericht zum Unterschied zwischen 1,5 und 2 Grad Erhitzung zu erarbeiten. Wobei eigentlich das Zeitfenster für 1,5 Grad schon zugegangen ist. Es war eigentlich schon klar, dass 1,5 Grad ganz schwer erreichbar sind. Da kommt die Staatengemeinschaft auf die Idee: Jetzt wollen wir den Unterschied zwischen zwischen 1,5 und 2 Grad. Das ist ein historisches Beispiel. Das ist mittlerweile schon eine Zeit her.

Realitätsverweigerung 2: Die NDCs

Die zweite Geschichte, an der man sieht, wie realitätsfern der Paris-Prozess und somit auch die aktuelle COP ist, sind die NDCs. Da wurde ins Paris-Abkommen ein Temperatur-Ziel von 1,5° bis 2° geschrieben, ohne irgendeinen Mechanismus, der das gewährleisten, geschweige denn garantieren könnte. Immerhin sind wir bei den Zielsetzungen mittlerweile von 3° in Richtung 2,7° oder 2,4°, manche sagen: in Richtung 2° hinuntergekommen. Aber das sind Zielsetzungen, da stehen noch keine Maßnahmen dahinter. Alle gezeigten Grafiken aus den UN-Berichten zeigen eher, wie schwierig es sein wird, die Zielsetzungen zu erreichen. Es wird nämlich nicht daran gedacht, die fossile Energieförderung anzupassen oder fossile Energien im Boden zu lassen, im Gegenteil! Da bleibt die Förderquote eher stabil, bzw. dürfte sie leicht anwachsen. Ganz aktuell sehe ich am meisten Realitätsverweigerung im Versuch, Emissionshandel global zu etablieren.

Das Waldschutzabkommen

Also das ist ganz krass, und das Waldschutz-Abkommen ist dann das letzte passende Steinchen dieser Realitätsverweigerung. Das ist gut und recht, kann man sagen, aber bitte: In 9 Jahren ist das Zeitfenster für 2 Grad dann schon langsam zu. Wenn so ein Abkommen, dann bitte mit einem In-Kraft-Treten im nächsten oder übernächsten Jahr und nicht 2030! Also da sieht man, glaube ich, wirklich deutlich, dass den politisch Verantwortlichen die Dramatik und Dringlichkeit und vor allem die zeitliche Dringlichkeit nicht annähernd klar ist.

Die Klimadissonanz

Und da stellt sich dann natürlich die Frage: wie ist das möglich? Dass Leute, die diese Dinge verhandeln, soweit entkoppelt sind, manche würden sagen von der Realität, die wirklich alarmierend und dramatisch ist, manche würden sagen alarmistisch, aber es ist alarmierend. Und da kommt dann jetzt meine Klimadissonanztheorie ins Spiel, der ich seit zwei Jahren auf der Spur bin, und die ich versuche zu Papier zu bringen. Meine Erklärung dafür, dass die Politik so realitätsfern funktioniert, lautet so: Wir haben über die letzten 30 Jahre gelernt, das Problem Klimakrise psychisch zu lösen, weil die physische Lösung, sprich: weniger fossile Energie zu verbrennen, so verdammt schwierig war. Wir haben das lösen müssen. Die kognitive Dissonanz, fossile Energie zu verbrennen auf der einen Seite, und mit dem Bewusstsein der Klimakrise zu leben auf der anderen Seite, hätten wir nicht ausgehalten. Wir haben eine Lösung gebraucht. Die Lösung war nicht, auf fossile Energie zu verzichten, sondern die Lösung war psychischer Art. Und die hat dann eben so ausgeschaut, so meine Theorie, dass wir gelernt haben, das Problem zu normalisieren, uns daran zu gewöhnen, zu verharmlosen, zum Teil zu verleugnen – also nicht nur das Problem an sich zu verleugnen im Sinne von „das gibt es nicht“, sondern die Folgen zu verleugnen, die Lösungen, die Lösungsmöglichkeit zu verleugnen bis hin dazu Scheinklimaschutz zu betreiben, und die COPs sind in meinen Augen die Kumulation des Scheinklimaschutzes. Also wir erwecken damit den Eindruck, dass wir angemessen auf das Problem reagieren, indem wir neue Ziele verkünden, weil wir Schutzprogramme in neun Jahren ankündigen, und uns damit wir gut fühlen. Aber in Wirklichkeit trägt das im Moment fast nichts zur Problemlösung bei. Denn die momentanen Politiken, die bleiben ziemlich konstant in Richtung 3° unterwegs.

Beschwörungs-Governance

Und dann kommt der Artikel ins Spiel, den ich hoch den ich heute gepostet habe: Wir haben es mit so einer Art Beschwörungs-Governance zu tun. Eine Form des Regierens, die durch vielfältige Wiederholungen der Zielsetzungen und der Vorhaben hofft, die Realität dann irgendwie schon in die richtige Richtung zu verändern, mantraartig. Bisher hat es nur nicht funktioniert. Bisher hat nur funktioniert, uns zu beruhigen. Die große Mehrheit ist ganz zufrieden mit dem. Die hat den Eindruck, dass sich die politischen Eliten um das Problem kümmern, und eine Lösung unterwegs ist, Diejenigen, die sich besser auskennen, sagen: Das Gegenteil ist der Fall. Also: Der Paris-Prozess ist nach wie vor Teil des Problems und nicht Teil der Lösung. Und diese COPs sind sehr geschickt darin, das anders darzustellen, es als Teil der Lösung darzustellen, was nicht der Fall ist. Da kommen dann Klimaaktivist:innen und Wissenschaftler:innen ins Spiel, die regelmäßig das darauf hinweisen, dass das viel zu wenig ist dass es viel zu spät ist – dass auch aktuell wieder alles was verkündet ist, bei weitem nicht ausreicht, um angemessen auf das Problem zu reagieren.

Wir haben keine Zeit mehr!

Also im Moment sind wir nach wie vor unterwegs in eine Katastrophe, und das ist der nächste Punkt der Realitätsverweigerung. Wir haben nicht Zeit, um 5 Jahre zu warten – das sind die nationalen Ziele. Wir haben nicht Zeit, um 5 Jahre zu warten für die formalen Reviews – der nächste ist für 2023 angekündigt, dann erst wieder für 2028. Also wer glaubt, das ist irgendwie ein angemessenes Zeitfenster, der hat wiederum die Klimakrise als Realität verleugnet, verdrängt, beiseite geschoben, was auch immer, sprich: das Problem psychisch gelöst. Und aus dieser psychologischen Lösung müssen wir ‚rauskommen, um eine physische zu ermöglichen. Und das funktioniert meiner Meinung nach nur indem wir es ansprechen, was da passiert, indem wir es offen legen und sagen: wenn wir so weitermachen, dann wird es wirklich katastrophal.

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