Extinction Rebellion Austria zur „ökosozialen Steuerreform“

von Okt. 14, 2021Allgemein, Statements

Die Regierung feiert die „ökosoziale Steuerreform“. Die ÖVP feiert, dass mehr Geld in den Konsum und vor allem an Wohlhabende und Unternehmen fließt. Der Wirtschaftsbund feiert, dass das Dieselprivileg erhalten wurde. Die Grünen feiern, dass ab Mitte nächsten Jahres ein CO2-Preis von 30 Euro pro Tonne erhoben werden soll, der langsam so weiterwachsen wird wie der CO2-Preis, der in Deutschland ohne Grüne beschlossen wurde.

Viele Wissenschaftler:innen begrüßen, dass es endlich auch in Österreich eine CO2-Steuer gibt. Fast alle stellen fest, dass sie in dieser Höhe viel zu niedrig ist, um zu Einsparungen zu führen.

Die Debatte darüber, ob die Steuerreform ein ausreichender oder ein unzureichender Anfang ist, lenkt ab. Im Vordergrund der Klimapolitik müssen nicht die Maßnahmen stehen sondern ein konkretes Ziel: #ActNow! Wenn das Ziel ernsthaft angesteuert wird, können die Maßnahmen schnell adaptiert werden, wie wir bei der Bekämpfung der Corona-Krise sehen. Wenn die Regierung das Ziel verfolgen würde, die Emissionen in diesem und in jedem kommenden Jahr so viel zu senken, wie es das Pariser Abkommen erfordert – mindestens so viel, wie während der der Corona-Krise – könnte sie mit einem Bündel von Maßnahmen sicherstellen, dass der Reduktionspfad eingehalten wird. Eine davon wäre vielleicht eine CO2-Steuer.

Die österreichische Regierung versteht Klimapolitik aber vor allem als Konjunkturpolitik. Sie investiert in klimafreundliche Infrastruktur und fördert Umstellungen auf emissionsfreie Technologien. Sie greift aber da kaum ein, wo jetzt die hohen Emissionen Österreichs erzeugt werden: beim Verkehr, beim Bau, in der Landwirtschaft und beim internationalen Handel. Der klimafreundliche Teil der Wirtschaft darf wachsen. Aber der klimaschädliche Teil der Wirtschaft wächst auch. In der Summe steigen die Emissionen, statt zu fallen.

Extinction Rebellion fordert nicht Einzelmaßnahmen, sondern sofortiges Handeln zum Abbau der Emissionen. Dazu ist die österreichische Regierung bisher nicht bereit. Sie hat weder einen Plan zur Reduktion der Emissionen vorgelegt noch ein Limit dafür, wieviel Emissionen Österreich noch in die Atmosphäre pumpen darf. Sie hat die klimaschädlichen Subventionen in Österreich bisher nicht einmal aufgelistet. Sie hat noch keine Maßnahme beschlossen, die die Emissionen ab sofort wirksam reduziert.

Die sogenannte ökosoziale Steuerreform verdeckt, dass die Emissionen Österreichs wieder steigen, statt mindestens so sehr zu fallen, wie im Coronajahr 2020. Wir sagen: Sagt die Wahrheit! Täuscht die Bevölkerung nicht länger darüber, dass der ökologische Zusammenbruch schon begonnen hat und dass ihn nur eine radikale Transformation der Wirtschaft und unserer Lebensweise aufhalten kann.

Die Steuerreform bremst einige Emissionen allenfalls minimal. Sie heizt den Überkonsum der Wohlhabenden weiter an und wird deshalb die Emissionen insgesamt steigern. Wir sagen: Handelt jetzt! Baut die Emissionen sofort ab!

Die Steuerreform ist ein klimapolitischer Minimalkompromiss. Dabei haben vor allem Wirtschaftslobbyisten ihre Interessen durchgesetzt. Er ist nicht in eine Strategie zur Senkung der Treibhausgase eingebettet. Wir sagen: Richtet endlich Bürger:innenräte ein, in denen alle Gruppen der Bevölkerung teilnehmen und Pläne zur Umsetzung des Pariser Abkommens beschließen können.

Wir haben nur noch wenige Jahre, um die Erderwärmung so zu bremsen, dass das Überleben der Menschheit nicht gefährdet wird. In einigen Wochen wird die UN bei der COP26 in Glasgow versuchen, Beschlüsse zur Bekämpfung dieser existentiellen Krise zu erreichen. Um dazu beizutragen, kommen die minimalen ökologischen Komponenten der österreichischen Steuerreform um Jahrzehnte zu spät.

Gemeinsam mit den anderen Teilen der Klimabewegung werden wir weiter für ein sofortiges Ende der Treibhausgasemissionen kämpfen. Die Steuerreform zeigt einmal mehr, dass die traditionelle Politik angesichts der Klimakrise versagt. Deshalb rufen wir die Bevölkerung auf: Widersetzt euch diesem Katastrophenkurs! Seid ungehorsam! Zwingt die Regierung, die Rechte unserer Kinder und der Natur zu respektieren!

Letzte Generation beendet Proteste in Österreich – wir machen weiter

Letzte Generation beendet Proteste in Österreich – wir machen weiter

Statement von Extinction Rebellion Österreich zum Ende der Proteste der Letzten Generation

Die Letzte Generation Österreich hat heute das Ende ihre Proteste verkündet. Wir waren und sind solidarisch mit den Menschen der Letzten Generation, verstehen den konsequenten Schritt, den sie gegangen sind und danken den Menschen, die unter schwierigen Bedingungen große Opfer gebracht haben, um die Menschen vor der Klimakatastrophe zu schützen. Wir fühlen die Frustration der letzten Generation gegenüber einer ignoranten und gemeingefährlichen Politik und die Traurigkeit über die Apathie in großen Teilen der Gesellschaft.

Extinction Rebellion wird weitermachen, auch mit Protesten gewaltfreien zivilen Ungehorsams in vielfältigen Aktionsformaten. Wir werden den Protest weiterhin zu Entschiedungsträger:innen und Verursacher:innen der eskalierenden Klimakrise tragen.

Auf die Frage, ob wir nun die Aktivist:innen der Letzten Generation aufnehmen werden, antworten wir: Ob das eine Option ist, liegt zunächst ja bei den Menschen der Letzten Generation. Wir werden sicher viele Gespräche führen und sind offen für neue Verbindungen und Ideen. Wir sehen uns grundsätzlich als Teil einer gemeinsamen Klimabewegung, die verschiedene Ansätzen hat, aber das Gleiche will. Wo wir kooperieren können, werden wir kooperieren.

Weitere Artikel

„Humanity will not be saved by promises“–XR Newsroom 4 zur COP26 am 12.11.2021

Der 12. November hätte der Schlusstag der COP26 werden sollen. Wie bei früheren COPs dauerten die Verhandlungen aber länger. Zum Gesamtergebnis wird es deshalb hier noch ein eigenes Blogpost geben, in das auch das Video zum 5. COP-Newsroom mit Renate Christ eingebunden ist. Am 12. November haben wir zwar schon mit Benedikt Narodoslawsky auf die...

Präsident Biden’s Klimagipfel und die US-Klimapolitik

Die Klimapolitik der neuen Regierung ist eine radikale Abkehr von der Linie unter dem Klimaleugner Trump. Die meisten Beobachter*innen stimmen darin überein, dass sie sie für ernstgemeint halten. Es ist ebenfalls deutlich, dass die Maßnahmen der Biden-Administration bei weitem nicht ausreichen, das 1,5°-Ziel zu erreichen, und dass ihre...

nofrontex – Die Festung Europa ist auch eine Festung gegen Klimagerechtigkeit

Vor 20 Jahren wurde die europäische Grenzsicherungsbehörde Frontex gegründet. Zuerst eher unbedeutend, wurde sie nach der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 massiv ausgebaut. Frontex ist heute die größte Behörde der europäischen Union und wird zu einer bewaffneten Grenzpolizei aufgerüstet. Offiziell hat Frontex einen doppelten Auftrag: Die...

Kontrollverlust: Der Sturm BORis und das Versagen der Politik

Die Klimakatastrophe kommt nicht, sie ist da. Wir erleben sie in unserem Land. Es gibt kein Zurück in die Zeit davor. Aber die Politik kann sich ihr stellen und alles dafür unternehmen, dass sie nicht noch schlimmer wird. Dazu müssen Politik und Medien damit aufhören, die Katastrophe zu verniedlichen. Das ist der Kern der ersten Forderung von...

Unterwegs zur Hothouse Earth: Mit den Gletschern zerstören wir unsere Lebensgrundlagen

Für das Leben auf der Erde spielen die Gletscher eine entscheidende Rolle: Sie regulieren den Meeresspiegel.Sie sind ein Zwischenspeicher für Niederschläge und sorgen dafür, dass große Gebiete kontinuierlich bewässert werden. Durch die Erwärmung der Erde schmelzen die Gletscher. Der Meeresspiegel steigt. Küstennahe Gebiete werden überflutet....

Kein Anlass für Optimismus – Die CoP28 hat begonnen

Der Artikel beleuchtet kritisch die COP28 und die Rolle der Fossilindustrie in der Klimakrise. Er fordert eine radikale Transformation und beleuchtet Österreichs Rolle in diesem globalen Szenario.

Schubumkehr, nicht Kurskorrektur! – Warum wir die Stadtstrasse mit zivilem Ungehorsam verhindern müssen

Österreich hat seine selbstgesetzten und gesetzlich vorgeschriebenen Klimazielen bisher in jedem Jahr drastisch verfehlt. Und mit diesen Klimazielen sind Österreich und die EU noch weit von einem 1,5°-Pfad entfernt. Die Hauptursache für die hohen Emissionen Österreichs ist der Verkehr, und hier der individuelle Autoverkehr. Jede Wienerin und...

Science News: Jänner und Februar 2022

Neue umfassende Studie zur globalen CO2-Ungerechtigkeit Die Beseitigung der extremen Armut auf der Erde würde die globalen Emissionen nur um etwa ein Prozent steigern (als extrem arm werden Menschen bezeichnet, die weniger als 1,9 Dollar am Tag zur Verfügung haben). Eine neue detaillierte Studie ergibt, dass die Angehörigen des Prozents der...

Hungerstreik am Heldenplatz: Unterstützt Martha und Howey Ou!

In Lausanne haben Howey Ou und weitere AktivistInnen am 21.5. einen internationalen. Hungerstreik gegen Ökozide begonnen. Unsere Aktivistin Martha hat sich diesem Streik am 31.5. angeschlossen. Auch hier geht die Naturzerstörung ungebremst weiter. Die Stadt Wien will mit dem Lobau-Tunnel den Ausbau des fossilen Verkehrs weiter vorantreiben und...

Wir haben den Entwurf des IPCC-Berichts geleakt! (Übersetzung des Posts von Scientist Rebellion)

Scientist Rebellion, ein Teil von Extinction Rebellion, hat im August einen Teil des Entwurfs von Teil 3 des Sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats geleakt. Das Blogpost zu diesem Leak enthält wichtige Folgerungen aus diesem Bericht. Wir veröffentlichen hier eine Übersetzung, die auch das Link zu den IPCC-Dokumenten enthält. Wir haben Teil...